Während der Sonderausstellung Bäderarchitektur (06.09.2020 – 03.01.2021) laden wir Sie jeden 1. Sonntag im Monat zu einem kostenlosen Besuch im Museum ein.

Wasser ist nicht nur zum Waschen da.

Um 1900 wurde Wasser zum Waschen, Spülen, Trinken, Putzen, Reinigen und zur Heilung verwendet. Die Haushalte wurden häufig über zentrale Brunnen versorgt. Ganz selten gab es bereits ein Rohrleitungssystem, um Privathaushalte direkt mit Wasser versorgen zu können.

Museum der Deutschen Binnenschifffahrt

Museum der Deutschen Binnenschifffahrt

Neben der körperlichen Reinigung mit Schwamm und Schüssel zu Hause gab es Volksbäder mit einzelnen Wannen- und Brausebädern, die man kostenpflichtig nutzen konnte. Die Ausstattung der einzelnen Räume unterschied sich oftmals. Es konnte zwischen Bädern der 1. bis 3. Klasse gewählt werden. So konnte sich jeder ein Bad leisten. Handtücher erhielt man am Empfang.

Die Entstehung der Volksbäder geht auf den Mediziner Oskar Lassar zurück. Er setzte sich für eine Verbesserung der Hygiene in allen Bevölkerungsschichten ein. Prototypen seiner reproduzierbaren Brausebäder stellte er bei der Hygiene-Ausstellung 1883 in Berlin vor. Unter dem Motto „Jedem Deutschen wöchentlich ein Bad!“ gründete er 1899 die Deutsche Gesellschaft für Volksbäder. Beispiele von ersten Badausstattungen und eine Zeichnung des Prototypen von Oskar Lassar sind in der Dauerausstellung der Römerthermen Zülpich – Museum der Badekultur zu sehen. Dort wurde die Sonderausstellung unter der Leitung von Dr. Iris Hofmann-Kastner von Lucia Klug M.A. kuratiert.

Bad Nauheim, Trinkkuranlage 1905

Bad Nauheim, Trinkkuranlage 1905

ARCHITEKTUR IN KURBÄDERN
Kurbäder bestehen aus mehreren Gebäuden, die über einen langen Zeitraum auf- und umgebaut wurden. Die Ansprüche wandelten sich im Laufe der Zeit. In den Anlagen der Kurorte wurden ab der Mitte des 19. Jahrhunderts, den sich verändernden Anforderungen entsprechend, neben Trinkhallen oder Badehäusern auch Hotels, Theater, Bibliotheken und weitere Freizeiteinrichtungen erbaut. Je nach Art der Kur und der Verwendung des Heilwassers, wurden unterschiedliche Gebäude genutzt. Bade- und Trinkkuren erforderten verschiedene Räume, weswegen sich ihre Anzahl und Größe stark unterschieden. Auch die Besucherzahlen hatten Auswirkung auf das Bauvolumen. Die Entscheidung, ob zu kleine Gebäude ersetzt oder zusätzliche Gebäude errichtet wurden, fiel unterschiedlich aus, hatte aber natürlich Einfluss auf das Gesamtbild einer Anlage. Die architektonische Gestaltung der Kuranlagen variierte stark. Neben dem aufstrebenden Stil der Bauhaus-Bewegung, die zwischen 1919 und 1933 zu fassen ist, prägten auch weitere Architekturformen die Bauplaner.

Stuttgart-Heslach, Stadtbad

WASSER IM WANDEL DER ZEIT

Die Veränderung von Wasser hat sich seit dem 18. Jahrhundert stark verändert. Heute nutzen wir Wasser sowohl für die Reinigung als auch für unsere Freizeitgestaltung. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde es vor allem zur inneren und äußeren körperlichen Reinigung verwendet. Zwar gab es bereits 1928 Ideen für Freizeit- bzw. Spaßbäder, wie zum Beispiel das Projekt „Thermenpalast“ in Berlin. Doch diese waren eher die Ausnahme. In den 1930er-Jahren besaß nur jede fünfte Wohnung im ehe – maligen Deutschen Reich ein eigenes Badezimmer. Daher waren öffentliche Badeanstalten zum Reinigen notwendig, um die Hygiene in der Bevölkerung zu unterstützen. Dazu kam der auf – keimende Wunsch nach körperlicher Ertüchtigung durch Schwimmen. Dieses wurde, nicht zuletzt, durch die Gründung des Deutschen Schwimm-Verbands e. V. am 8. August 1886 ermöglicht. Der Bau zahlreicher Schwimmhallen, bei bestehenden oder neu gestalteten Badeanstalten, unterstützte diese Entwicklung. Auch für die Kuren war und ist Wasser ein wichtiger Bestandteil. Ob bei Badekuren oder als Trinkkur. Beispiele für beide Wassernutzungen sind in der Sonderausstellung zu finden. Neben Fotografien und Zeichnungen, zeigen Modelle und Objekte aus unterschiedlichsten Bädern die Architektur und das Leben zu Beginn des 20. Jahrhunderts rund um das Thema Wasser.